Übergang & Tiefe
Der Oktober trägt eine besondere Stimmung. Zwischen goldenem Licht und aufziehender Dunkelheit liegt etwas Unbestimmtes – fast so, als hielte die Zeit für einen Moment den Atem an. Übergänge sind selten bequem, doch sie öffnen Räume, die sonst verschlossen bleiben.
Vielleicht ist es genau diese Unsicherheit, die Tiefe schenkt: wenn wir uns nicht festhalten können, sondern im Dazwischen verweilen. Im Lauten übersieht man leicht, was im Stillen Form annimmt. Im Übergang dagegen taucht auf, was wir sonst übergehen würden – Gedanken, die sich klären wollen, Gefühle, die Gestalt annehmen, Wege, die sich nur Schritt für Schritt zeigen.
Tiefe braucht nicht das Ende. Sie entsteht schon jetzt, mitten im Werden. Vielleicht liegt gerade dort die Einladung dieses Monats: den Zwischenraum nicht zu überbrücken, sondern ihn auszukosten.
„Sei geduldig gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst liebzuhaben. Lebe die Fragen jetzt. Vielleicht lebst du dann allmählich, ohne es zu merken, eines Tages in die Antwort hinein.“ – Rainer Maria Rilke

